Kurt Lauterburg

Schauspieler und Rezitator

Schauspieler & Rezitator

KURT LAUTERBURG ist staatlich diplomierter Schauspieler. Ausgebildet in Deutschland von Gustav Knuth, Wolfgang Reichmann und Samy Molcho, hatte er feste Bühnenengagements am Staatstheater Karlsruhe sowie am Theater der Stadt Bonn. Später war er in Zürich als Fachhochschuldozent für Deutsch, Sprecherziehung und Textgestaltung tätig. Sodann wirkte er als Sprechtrainer verschiedener Berufsgruppen, insbesondere von Radiojournalisten. Nach acht Jahren Weiterbildung in ‹Literarischer Vortragskunst› bei Detlef Rora sowie der Mitwirkung an diversen literarischen Vortragsabenden widmet sich Kurt Lauterburg heute der Gestaltung vorwiegend klassischer literarischer Texte, die er stets auswendig vorträgt. Die entsprechenden Videoaufnahmen werden jeweils ungeschnitten und unbearbeitet als spontaner Live-Auftritt auf seiner Homepage und zum Teil auch auf Youtube gezeigt (siehe ‹VIDEO›). Ausserdem veröffentlicht er von sich besonders gelungene Höraufnahmen von bekannten Gedichten und Prosatexten (siehe ‹AUDIO›) Es kommen immer mal wieder neue Aufnahmen dazu.

Empfehlung für den Einstieg in Kurt Lauterburgs umfangreiche Sammlung von gestalteten Texten (siehe ‹VIDEO› grau rechts oben anklicken und in der Liste scrollen, um den Titel zu finden)

  • Wolfgang Borchert «Die Küchenuhr» Dauer : 8:35
  • Theodor Fontane «Überlass es der Zeit» Dauer : 1:16
  • Albrecht Goes «Die Schritte» Dauer : 1:12
  • Hermann Hesse «Stufen» Dauer : 2:59
  • Erich Kästner «Der synthetische Mensch» Dauer : 3:42
  • Rainer Maria Rilke «Orpheus, Eurydike, Hermes» Dauer : 10:09
  • Theodor Storm «Der Schimmelreiter» (Schluss) Dauer : 17:37
  • Theodor Storm «Von Katzen» Dauer : 3:09
  • Kurt Tucholsky «Der Floh» Dauer : 2:22
  • Kurt Tucholsky «Der schiefe Hut» Dauer : 9:20
  • Kurt Tucholsky «Frauen sind eitel. Männer? Nie -!» Dauer : 10:26
  • Franz Werfel «Elternlied» Dauer : 1:45

Fragen an Kurt Lauterburg

Herr Lauterburg, ich bin bei der Suche nach bekannten Gedichten auf Ihre Homepage gestossen. Wenn ich auf YouTube ein bestimmtes Gedicht eingebe, stelle ich fest, dass dieses häufig zu Musik oder zu illustrierenden Bildern gesprochen wird. Sie machen das anders…

Ja, ich möchte nicht, dass irgend etwas vom gestalteten Wort ablenkt, seien es ein unruhiger Hintergrund, Bilder oder eben Musik. Es braucht nach meiner Meinung kein «Beiwerk». Die «Bilder» sollen allein durch die Dichterworte, mit Hilfe meiner Rezitation, in der Vorstellung der Zuschauenden hervorgerufen werden. Deshalb spreche ich die Texte auch vor einer neutralen weissen Wand.

Die meisten Gedichte auf YouTube sind als reine Höraufnahmen präsentiert; ich kann die Sprecherin oder den Sprecher nicht sehen. Oder jemand schaut häufig in das Buch, wo der Text steht. Ist das nicht schade?

Ja, natürlich, das finde ich auch. Ich veröffentliche nur literarische Werke, die ich absolut sicher auswendig kann. Seit längerer Zeit mache ich ausschliesslich Videoaufnahmen, mit denen ich mehr ausdrücken kann als mit blossen Höraufnahmen. Das braucht, ob es ein kurzer oder langer Text ist, mindestens etwa zwei Monate. Dabei ist das Auswendiglernen der kleinste Teil der eigentlichen Gestaltungsarbeit.

Viele Leute sagen von sich, sie könnten auch kürzeste Texte nicht auswendig lernen…

Ich behaupte, Auswendiglernen ist nur eine Sache der intensiven Beschäftigung mit dem Text. Tag für Tag. Wiederholen, überprüfen. Auch mit Probeaufnahmen. – Indem Sie einen Text auswendig lernen, dringen Sie immer tiefer in die vom Autor verdichtete Wahrheit ein. Mir genügt es niemals, einen Text nur gut vorlesen zu können.
Auswendiglernen (vielleicht noch treffender ausgedrückt französisch ‹par coeur› oder englisch ‹by heart›) ist auch in meinem Alter ein Kinderspiel. Ich trage die Dichterworte so lange mit mir herum, bis sie wie zu meinen eigenen Gedanken geworden sind. Es ist für mich wunderschön, literarische Kunstwerke ohne ein ‹Hilfsmittel› immer bei mir zu haben, wo ich gehe, stehe, sitze oder liege. So kann ich mich von den ‹verdichteten Wahrheiten› überall beflügeln oder trösten lassen.

Sagen Sie bitte etwas zur Auswahl Ihrer Texte!

Ich wähle nur Gedichte aus, bei denen ich glaube, dass die Zuhörenden und Zusehenden dem Text folgen können, auch wenn sie ihn noch nicht kennen.

Mir gefallen Gedichte, die viel Gefühl beinhalten, deren Inhalt mir in meinem Leben geholfen haben oder den Zuschauenden und mir heute helfen.
Meine Gestaltungen sind meist langsam gesprochen, mit vielen Pausen und gefühlvoll gestalteten Übergängen. – Es gibt zahlreiche Aufnahmen, die im Vergleich zu meinen Beiträgen zu schnell sind und wo kaum richtige Pausen gemacht werden. Da frage ich mich immer, ob die Zuhörenden auch «mitkommen» können. – Wer seinen Text auswendig vor einer Videokamera darbietet und nicht nur «unsichtbar» abliest, vermittelt den Interessierten eine zusätzliche Dimension. Ich stelle mir immer ein Publikum vor.

Welches sind Ihre bevorzugten Dichter?

Rainer Maria Rilke, Joseph von Eichendorff, Hermann Hesse, Hugo von Hofmannsthal, Wolfgang Borchert und Kurt Tucholsky.

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, dass Sie eine Aufnahme veröffentlichen ?

Zuerst muss ich mir noch über die Grösse der Sprechportionen, die Pausen und die Betonungen klar werden. Letztere sind Interpretationen des Sprechenden. Man kann da durchaus verschiedener Meinung sein. Wichtig ist, dass man nicht zu viele Wörter betont.
Ich versuche, die Sprechmelodien unterschiedlich zu gestalten, so dass kein ‹Singsang› entsteht, der monoton wirken kann. Dabei helfen Probeaufnahmen sehr.

In Bezug auf meine Körpersprache achte ich darauf, Gesten sparsam einzusetzen, damit auch in dieser Beziehung keine Gleichförmigkeit entsteht. Immer wieder spreche ich die Texte probehalber vor dem Spiegel und vor allem vor der Kamera.

Ich sehe, dass Sie sehr gründlich vorgehen und dass das alles ein langer Prozess ist…

Ja, aber ich möchte, wenn ich die veröffentlichten Aufnahmen sehe, mir selbst glauben, was ich spreche. Mir müssen meine eigenen Gestaltungen gefallen.

Trotzdem ist mir bewusst, dass ich jede Aufnahme noch perfekter hinkriegen könnte. Deshalb nehme ich gewisse Werke nach Jahren wieder hervor. Sie sind dann immer innerlich ‹gewachsen›. Nur schaffe ich es zeitlich leider nicht, an allen bisherigen Aufnahmen weiter zu feilen, so gern ich das möchte. –

Vielen Dank, Herr Lauterburg, für Ihre Erläuterungen!

DER KLEINE MUCK Staatstheater Karlsruhe 1970
DIE DAME VON MAXIM von Georges Feydeau (Rolle: Guy, Herzog von Valmonté), Staatstheater Karlsruhe, 1971
WIE ES EUCH GEFÄLLT von Shakespeare (Rolle: Sylvius), Staatstheater Karlsruhe, 1971
FAZZ UND ZWOO von Ken Campell (Rolle: Zwoo), Theater der Stadt Bonn, 1971/72
In HÖLDERLIN von Peter Weiss,
Theater der Stadt Bonn, 1972
DER FIRMLING von Karl Valentin, Theater der Stadt Bonn, 1972/73
DIE RAUBRITTER VON MÜNCHEN von Karl Valentin (Rolle: Trommlerbua Michl),
Theater der Stadt Bonn, 1972/73
DIE HOSE von Carl Sternheim (Rolle: Mandelstam), Theater der Stadt Bonn, 1974
WAS IHR WOLLT von Shakespeare
(Rolle: Andreas von Bleichenwang),
Theater der Stadt Bonn, 1973/74
DON GIL VON DEN GRÜNEN HOSEN
von Tirso de Molina (Rolle: Caramanchel), Theater der Stadt Bonn, 1974/75

DER KAUFMANN VON VENEDIG
von Shakespeare
Monolog des Lanzelot Gobbo
Theater der Stadt Bonn 1973